Der Odenwald-Cross zwischen Rhein und Main

Quer durch den Wald der Sagen

Von der Bergstraße durch das Felsenmeer zum Kaiserturm auf der Neunkircher Höhe und über die Römerschanze zum prächtigen Fachwerk um das Schnatterloch in Miltenberg. Vom Mainknie zu den Schlössern und Türmen in der Obrunnschlucht und über Steigerts (kommt von Steigers, wie steil ansteigende Wege) zurück zur Tannenburg am Abhang zum Rhein. Einfach schön! Kochkäse mit Musik. Mit Steinen werfende Riesen und selbst bei gestandenen Alpencrossern berüchtigten Auffahrten. Der Odenwald ist nur ein Mittelgebirge mit durchschnittlichen Höhen von 200 bis 600 Meter, aber er hat viele tiefe Täler und bietet immer wieder Ausblicke, die unerwartet und einfach herrlich sind.

In Wald und Flur

>> Zwei Riesen hausten einst in der Gegend um Reichenbach. Der eine auf dem Felsberg (Felshocker) diesseits, der andere auf dem Hohenstein (Steinbeißer) jenseits des Lautertals. Aus Langeweile gerieten sie in Streit und bewarfen sich in ihrer Wut mit Felsbrocken. Der „Steinbeißer“ war im Vorteil, er hatte mehr Wurfmaterial. So kam es, dass der „Felshocker“ bald unter den Blöcken begraben wurde.<<

So wurde im Volksmund die Entstehung des rätselhaften Felsenmeeres, eines der bekanntesten Odenwald-Wunder, erklärt. Mitten im Buchenwald unter dem Ohlyturm (romantisierendes Wahrzeichen des Felsbergs, erbaut vom Odenwaldklub, benannt nach einem Darmstädter Oberbürgermeister) liegt eine gigantische Lawine aus dunkelgrauen Quarzgesteinen aller erdenklicher Formen. Mal einzeln verstreut auf dem Waldboden, mal gehäuft in Form der Wogen eines Meeres. Natürliche Verwitterung und eiszeitliche Ausspülungen haben diese märchenhaften Skulpturen kreiert. Schon die Römer erkannten die Steinhauer-Qualität des „Felsberg-Granits“. Riesensäule, Altarstein, Pyramide, Schiff und Sarg heißen ihre eindrucksvollsten, vor Ort geformten Werkstücke im heutigen Naturschutzgebiet „Felsberg bei Reichenbach“.

Rauf und runter den Geheimnissen auf der Spur

Zwischen Darmstadt und Heidelberg ragen steile Bergflanken von mehreren Hundert Metern Höhe aus dem flachen Land um den Rhein. Ein dichter Waldpelz verbirgt die Wege und Pfade zu den Schlössern, Burgen und Türmen, die aus den Wipfeln spitzen. Auf der Höhe lichtet sich das Blättergrün, öffnen sich weite Fluren mit tollen Fernsichten auf Berge und Täler. Es ist das Wechselspiel zwischen dem Dunkel der Wälder und dem Licht der Fluren, das den besonderen Reiz des Odenwalds ausmacht. Er ist kein geschlossenes Waldgebiet und sein Geländerelief zeigt sich alles andere als glatt. Das ständige Rauf und Runter fordert seinen Tribut. Bei Höhenunterschieden von durchschnittlich etwa 300 Metern kommen da bei einer rund 50 Kilometer langen Etappe schnell weit über 1500 Höhenmeter zusammen. Die bodenständige und deftige Kost der Odenwald-Gasthäuser füllt die leeren Speicher wieder. Ob Kochkäse mit Musik oder Bratwurst auf Kartoffelstampf mit Kraut – der Apfelmost gehört dazu (Handkäs, Worst und Ebbelwoi sagt der Hesse). Preisgekrönte Wanderwege, benannt nach den Alemannen, Nibelungen, Vogesen oder dem Limes führen durch den Odenwald. Auch ihr Verlauf durch die lebendigen Ortschaften ist vorbildlich markiert. Vorteil: Im Labyrinth der Wege muss man nicht ständig auf die Landkarte schauen. Man folgt stets dem einheitlichen Symbol. Nachteil: Nicht alle Abschnitte sind für jeden Biker geeignet. Je nach Kraft und Können kann da einiges an Schiebemetern zusammenkommen. Oft gibt es auch für Biker lohnendere Alternativen. Da hat eine Navigation mittels GPS klar seine Vorteile. Der Odenwald Cross folgt vom Rhein zum Main auf weiten Strecken dem alten Alemannenweg und zurück dem Saa-Rhein-Main-Weg. Doch gibt es immer wieder Abschnitte die abseits der Markierungen schneller oder schöner zum Ziel führen.

Unterwegs !

1 Vom Rhein zum Main

 

Der Odenwald Cross beginnt in Seeheim-Jugenheim am Abhang des Odenwalds zur Rheinebene. Beim Brandhof im Stettbacher Tal kann man gut parken, essen und übernachten. Ein griffiger Waldpfad, als Alemannenweg markiert, endet an der Ruine der Raubritterburg Tannenberg 200 Meter über der Alten Bergstraße. Auf dem sanft gewellten Höhenzug zur Kuralpe hin prägen saftige Wiesen das Landschaftsbild und erlauben Ausblicke fast wie in den Voralpen. Wieder im Wald walken die Stollengummis auf einem steilem Hohlweg hinauf zum Felsberg (Felshocker) mit Gasthof, Turmaussicht auf die Frankfurter Skyline und der Einfahrt ins Felsenmeer. Der Pfad schlängelt sich zwischen mannshohen Steinbrocken hindurch, über Stufen und allerlei Wurzelwerk am Altarstein vorbei zur Riesensäule, wo ein Kiosk Hungrige und Verletzte versorgt. Am Rand der Steinlawine abwärts erreicht der Steig über eine Holzbrücke das rettende Ufer namens Lautertal. Doch das Verschnaufen währt nur kurz, ehe der alte Nibelungenweg bergwärts am Kletterfelsen Hohenstein (Steinbeißer) vorbei die Oberschenkel brennen lässt. 400 Meter über dem Talboden markiert der Kaiserturm die bewaldete Neunkircher Höhe, höchster Berg im hessischen Odenwald. Die Steinmauern bergen eine einfache Wirtschaft (nur an Wochenenden und Feiertagen geöffnet). Beim Wirt, einem Odenwälder Original, gibt es den Schlüssel für die Aussichtsplattform. 30 Meter über dem Waldboden reicht der Fernblick bei guter Sicht über die Baumwipfel hinweg bis in die Pfalz und den Taunus. Bis Reichelsheim rollen die Reifen auf unterschiedlichen Belägen fast von alleine. Der dritte große Anstieg des Tages durch den Beerfurther Wald zur Passhöhe Spreng zehrt bereits an den Kräften. Endlich kommt die schon von weitem zu sehende Russeneiche. Der über 450 Jahre alte Baum steht völlig frei, ist vollkommen hohl, erfreut sich aber noch besten Wuchses. Napoleons Soldaten sollen dort gelagert haben, als sie von den Russen vertrieben wurden. Nach Michelstadt ist es nicht mehr weit. Pittoreskes Fachwerk gestaltet den Marktplatz und die verwinkelten Gassen der Altstadt. Das auf einer Briefmarke abgebildete Rathaus ist in der ganzen Welt bekannt. Beim Grünen Baum gibt es einen Odenwälder Kochkäse mit Musik. Der Sauermilchkäse wird mit Brot und in Essig eingelegten Zwiebeln gereicht. Die Bezeichnung >> mit Musik << soll angeblich auf die Geräusche anspielen, die beim Verdauungsprozess entstehen können. Aus dem Mürmlingtal steigt der alte Nibelungenweg am Zuckerbuckel auf die Vielbrunner Höhe. Relikte bezeugen eine römische Vergangenheit. Die Wegtrasse gleicht abschnittsweise einem steilem Graben im Wald durchzogen von Wurzeln. Wer alles im Sattel bewältigen will, umkurvt die Steilrinne auf Asphalt oder braucht eine gehörige Portion an Kraft und Technik. Im abgelegen Landgasthof Geiersmühle am Ohrnbach kann man ruhig schlafen und vorzüglich speisen.  

  

Unterwegs !

2 Vom Main zum Rhein

 

Wenige Kurbelumdrehungen von der Geiersmühle entfernt endet Hessen, beginnt Bayern. Ein Forstweg zieht am Geissberg hinauf zur Lauseiche. "Te deum laudamus" sollen Pilger nach dem steilen Anstieg gesungen haben, wobei sich "laudamus" zu "laus" verkürzt hat. Ein spaßiger Waldpfad leitet hinab zum Main - nach Miltenberg mit dem „Schnatterloch“, wie der Marktplatz, einer der schönsten Deutschlands, umgangssprachlich genannt wird.
Der Durchgang im historischen Schnatterlochturm führt direkt in den Odenwald. Die durch das Holz des Fachwerks dokumentierte Geschichte hat es gut gemeint mit der >>Perle des Mains<<. Vieles ist erhalten geblieben. So auch das Gasthaus „Zum Riesen“, älteste Herberge Deutschlands. Über die Mainbrücke wechselt der Cross in den Spessart. Sicher lässt sich der Wegabschnitt abwärts zur nächsten Mainbrücke in Klingenberg auch mit einem Klapprad locker bewältigen, könnte man nach Miltenberg gleich wieder in den Odenwald eintauchen. Doch der Kontrast, der Wechsel der Perspektive ist einfach schön. Menschen und Fracht schippern auf dem Fluss. Angler warten geduldig auf einen Hecht oder Barsch. Ufernah begleitet der Radweg den Main, kurvt durch Campingplätze oder macht schnurstracks Strecke. Auf der anderen Mainseite nach Wörth wieder in Hessen erklimmt der Odenwald Cross die Anhöhe der ehemaligen römischen Niederlassung Seckmauern und den Dammberg im Höchster Zentwald. Die Anstiege sind eines Mountainbikes würdig und auf Abschnitten hart, die Pfade am Saum der Fluren um Rimhorn aber herzlich. Im Wald zwischen Höchst und Rimhorn stehen Schlösser und Türme. Ein Märchenpfad mit zahlreichen Brücken und Stufen schlängelt sich am Bach entlang durch den tiefen Graben der Obrunnschlucht. Miniaturbauten wie etwa die Schwanenburg oder das Dornröschenschloss und Sagengestalten wie Rübezahl bringen Leben in den Wald. Einziger Wehrmutstropfen: Auf dem knapp 1,5 Kilometer langen Weg herrscht ein Radfahrverbot. Das Erlebnis lohnt sich, auch wenn man das Bike schiebt. Am Annelsbach rauf, zum Brensbach runter, an Fränkisch-Crumbach vorbei, zur Nonroder Höhe rauf und wieder runter ins Fischbachtal zum Schloss Lichtenberg – das Profil des Kurses ist wie auch das Relief der Landschaft alles andere als glatt. Auf dem Alemannenweg rollen die Räder am Esels- und Gretenbrunnen vorbei nach Ernsthofen, ehe mit der Neutscher Höhe der Schlussanstieg bevorsteht. Hinter Ober-Beerbach öffnet sich der Blick auf die Rheinebene. Zum Brandhof geht es nur noch bergab. 

DER ODENWALD CROSS TOURENINFO KOMPAKT
CHARAKTER: MITTEL
(Eine gute Kondition und abschnittsweise eine sichere Fahrtechnik erforderlich)
Zeit: 2 Tourentage
Distanz: 138 km
Höhenmeter: 3500 bergauf wie bergab
Höhenlage: Zwischen 130 m ü. NN (Klingenberg am Main) und 605 m ü. NN (Kaiserturm auf der Neunkircher Höhe)
Belag: 44 km auf Asphalt, 73 km auf Schotter und 21 km Trails.
Schieben: eventuell wenige Meter bergauf zum Hohenstein (Kletterfelsen) und auf dem alten Nibelungenweg von Weiten-Gesäss hinauf nach Vielbrunn; bergab durch die Obrunnschlucht (Bike-Verbot). Diese Abschnitte können auch einfach auf Asphalt umfahren werden.
BESTE TOURENZEIT Anfang Mai bis Ende Oktober
DIE ETAPPEN
1 – Von Seeheim-Jugenheim (P am Brandhof im Stettbacher Tal) über Michelstadt zur Geiersmühle in Vielbrunn (56 km,/1850 Hm,\1800 Hm)
2 – Von Vielbrunn nach Miltenberg am Main und über Höchst und Fränkisch-Crumbach zurück zur Rheinebene (82 km,/1650 Hm,\1700 Hm)
LANDKARTE Kompass WK 1:50 000 Blatt 827-Bergstraße Odenwald