Achim Zahn

Alpencross ist Kopfsache. Man braucht nur aufzubrechen, denn über jeden Berg führt ein Weg

Achim Zahn ist Gelegenheitsradler. Er radelt bei jeder Gelegenheit. Vier Millionen Höhenmeter hat der Mann mit der Mähne bezwungen, bis zu siebeneinhalbtausend am Tag. Sein Job: Tourguide. Sein Motto: "Rasta hei Tike" – Über jeden Berg führt ein Weg. Und diesen Weg zu finden ist das Ziel des 55-Jährigen noch heute, egal wie hart und steinig er ist. Seit 30 Jahren streift Achim Zahn, der ebenso lang wie dünn wie zäh ist durch die Berge und Hochwüsten der Erde. Immer auf der Suche nach neuen Routen und Übergängen. Anfangs durch die Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen, später über den Alpenhauptkamm gen Italien und weit hinunter in die Westalpen. Er entdeckte geheime Schmugglerwege, längst vergessene Saumpfade und 3000 Meter hohe Militärpisten.

Keiner kennt die Alpen besser

Inzwischen kennt der 1,94-Meter-Mann jeden Pass zwischen Wien und Nizza mit Vornamen – 268 in den Ostalpen, 250 in den Westalpen. Über 75 verschiedene Gebirgsüberquerungen und Umrundungen hat Tourenvater Zahn ausgearbeitet, in Magazinen und Büchern veröffentlicht. 1995 radelte er das erste Mal auf seiner Joe-Route zum Gardasee. Dabei hätte der Oberbayer fast im Gerichtssaal geendet. Nicht als Vogelfreier, sondern als Jurist. Doch der Berg rief zu laut. Die Watzmann-Ostwand war er in seinen wilden Jahren mit Ski abgefahren, hatte alles bestiegen, was steil und eisig war. 1978 überlebte er einen Motorradunfall um Haaresbreite: Hals- und Beinbruch stimmte damals nur zum Teil, das Bein blieb ganz ... Nach einem halben Jahr im Gipskorsett, einer Bergführerausbildung und null Bock auf Münchens Gerichtssäle, gründete er 1989 eine Firma mit dem kryptischen Namen "Serac Joe": Serac wie der Gletscherbruch, - "mein Element ist das Eis" – und Joe wie "Hifi-Joe", bei dem er während des Studiums gejobbt hatte. Heute gelten Serac Joe-Touren als "vogelwild", was ihr Schöpfer gar nicht versteht. Klar, die Routen führen nicht um die Berge herum, sondern darüber. Nicht unbedingt auf dem schwierigsten Weg, sondern auf einem, der eine Geschichte erzählt. "Jede Tour hat einen roten Faden, einen historischen oder topografischen", so sein Credo. Anspruch und Ansporn für Guide und Kunden, aber auch Anlass zum Abkupfern. Was sich nicht kopieren lässt, sind Erfahrung und Führungsqualität. Einer der ersten Sätze seines damaligen Ausbilders: "Wer einmal vor meinen Augen fällt, fliegt raus!" Zahn fiel nie und machte das Flugverbot auch beim Biken zum Grundgesetz: Wer sich auf die Mütze legt, der fliegt zwar nicht raus, bezahlt aber am Abend eine Runde. Eine unorthodoxe, aber wirkungsvolle Methode, alle heil und beschwingt über die Alpen zu bringen ... . Zum Mountainbiken kam der Bergführer durch Zufall. Sein Bruder fährt Motorrad-Rallyes und brachte Mitte der Achtziger ein Mountainbike aus den USA zum Trainieren nach Hause mit. Ein Kuwahara Cougar mit Daumenschaltung. Das diente Serac Joe anfangs als Skitouren-Zubringer in die langen Täler. Später unternahm er dann Radl-Expeditionen in Südamerika. 1992 fuhr Zahn dann das erste Mal von daheim über die Alpen zum Gardasee. Um die 300 Alpenüberquerungen hat er bis heute geführt. "Nach zwei Jahrzehnten im Geschäft hörst du irgendwann auf zu zählen!"

Tourenvater Zahn

Boxenstopp macht er daheim in Marquartstein am Chiemsee. Dort lebt er mit seiner Frau Michaela und den beiden "Milch-Zähnen" Muck (6) und Adam (4). Sein Sohn Max (22) studiert in München. Aber fast 200 Tage im Jahr ist der Urbayer auf Achse. Satt auf Seilbahnen setzt der Mann aus dem Chiemgau auf Kraft und Willen. Statt auf ein All-Mountain-Fully schwört er beim Alpencross auf sein 100-Millimeter-Hardtail. "In meinem Alter und mit meinen vielen Knochenbrüchen ist Stahl ideal. Und der Hinterbau gibt laut Tom Ritchey 20 Millimeter nach."