Ausrüstung

Hinweise
Alle Tourenteilnehmer erhalten mit den Reiseunterlagen eine speziell auf die Anforderungen der Tour abgestimmte Ausrüstungs-Checkliste. Die meisten unserer Touren sind nicht für E-Bikes geeignet.

Allgemeines
Keine Frage, es macht mehr Spaß, leicht gerüstet durch die Bergwelt zu strampeln, als in Gestalt eines schwer bepackten Mulis um Höhenmeter zu ringen. Im Hochgebirge muss aber immer mit Schlechtwetterperioden (so brachte in den letzten Jahren eine Kaltfront regelmäßig im Sommer Neuschnee!) gerechnet werden, ein Mountainbiker immer eine den zu erwartenden Anforderungen angepasste Ausrüstung mit dabei haben. Denn was ist schlimmer, als den Urlaub wegen schlechten Materials abbrechen zu müssen, die Herausforderung Berg nicht annehmen zu können?
Eine sorgfältige Auswahl funktioneller Ausrüstung spart enorm an Gewicht ein und bürgt für mehr Sicherheit. Wer sich neues Material kaufen möchte, sollte deshalb keinesfalls nur auf den Geldbeutel schauen. Sicher hat funktionelle Qualitätsware ihren Preis, doch gibt es in der Regel keine Probleme damit, hält sie wesentlich länger und ist auch um einiges leichter. Unsere Ausrüstungs-Tipps basieren auf drei Jahrzehnte Erfahrung und entsprechenden Tests.

Mountainbike
Das eine perfekte Rad gibt es nicht. Jeder Mountainbiker muss das für sich passende Modell finden. Reise- oder Trekkingräder sind für die Fahrt auf einem Radweg über die Alpen die bessere Wahl. Führt der Weg aber abseits von Asphaltstraßen durchs Hochgebirge, sorgen die dicken Reifen der Mountainbikes für mehr Traktion, Pannensicherheit und Komfort. Größere Untersetzungen beim Antrieb und das geringere Gewicht erleichtern das Bergauffahren, Scheibenbremsen das Hinabfahren bei Trockenheit und Nässe gleichermaßen. Federsysteme an der Front (Federgabel) und am Heck (Federbein) erhöhen die Traktion zusätzlich. Es gibt Hardtails (nur Federgabel) und Fullies (Federgabel + Federbein). Welches Gerät ist schneller? Eine Glaubensfrage, die die Fahrradwelt spaltet. Die Antwort hängt natürlich sehr vom Profil der Strecke und den persönlichen Vorlieben ab.
Während das Hardtail mit einem geringeren Gewicht, direkterer Kraftübertragung, weniger Wartung, guter Tragemöglichkeit und einem niedrigeren Preis punktet, sticht das Fully mit einer besseren Traktion, höheren Fahrsicherheit und mehr Komfort und Fahrspaß. Für die Auswahl des Rades gibt es gewichtigere Argumente. Passt die Sitzposition? Fühlt man sich auf dem Fahrrad wohl? Bei vollgefederten Bikes ist das Tretlager wegen der Bodenfreiheit und damit auch die Sitzposition um rund 50 Millimeter höher. Der Schwerpunkt wandert nach oben. Das kann für eine gewisse Instabilität sorgen. Schlechter fahren auch viele Mountainbiker, die versuchen, ihre Schwäche mit dem Kauf eines bestimmten Biketyps auszumerzen. Mit anderen Worten: Starke Bergradler, die bergab auf schmalen Trails schnell an ihre Grenzen kommen, entscheiden sich besser für ein leichtes Hardtail und arbeiten an ihrer Fahrtechnik, als zu hoffen, dass die Hindernisse mit einem Fully kleiner werden. Oft tritt nämlich genau das Gegenteil ein. Mit dem Mehrgewicht des Fullies wird man bergauf langsamer und bergab mangels Vermögen auch nicht schneller. Das kann den Spaß ordentlich verderben.
Als Grundregel gilt: Bei einer Alpenüberquerung nichts einsetzen, was vorher nicht schon bei längeren Touren ausprobiert wurde. Nicht alles, was die Industrie produziert, hat sich im harten Einsatz bewährt, erfüllt die persönlichen Bedürfnisse. Meistens ist der Verbraucher auf deren Angebot angewiesen, obwohl Neues manchmal schlechter ist oder zumindest keine erkennbaren Vorteile birgt. Hochwertige Mountainbikes mit 26 Zoll-Laufrädern sind vom Markt verschwunden. 25 Jahre ist man damit gut über die Alpen gefahren. Ob das mit den heute im Trend liegenden Felgengrößen von 27,5 Zoll (650B) oder 28 Zoll (Twentyniner, 29er) besser geht, darf arg bezweifelt werden. Eine klare Antwort kann es immer nur für den Einzelfall geben, wobei die Art der Strecke und die Konstitution des Pedaleurs die maßgebenden Kriterien sind. Der Durchmessers von 27,5 Zoll-Rädern ist marginal um 25 Millimeter größer als bei der bewährten, doch ausgedienten 26 Zoll-Version. Er bewegt sich im sichtbaren, aber für den Normalbiker kaum spürbaren Bereich. Als erkannt wurde, dass die 29er mindestens so viele Vor- wie Nachteile haben, zauberten die Hersteller anstatt sich rückzubesinnen eine neue Größe aus dem Hut. Für Twentyniner sprechen ein besseres Überrollverhalten, ein geringerer Rollwiderstand und durch die längere Aufstandsfläche der Reifen ein höherer Grip. Einfach ausgedrückt: Wenn es mal rollt, dann fühlt man sich sicherer, egal ob über Stock oder Stein. Größtes Manko ist das Übergewicht – vor allem an den rotierenden Massen, wo es besonders schmerzt. Hinzu kommt die fehlende Steifigkeit, weshalb das größere gegenüber dem kleineren in puncto Beschleunigung, Wendigkeit und Bremsverhalten den kürzeren zieht. Auf kurvigen Kursen mit viel Auf und Ab ist ein 26 Zöller nach wie vor am schnellsten. Fazit: Wer stolzer Besitzer eines 26er ist, bleibt beim alten und deckt sich reichlich mit Ersatzteilen ein. Wird ein Neukauf fällig, entscheidet in erster Linie das bevorzugte Gelände und die Körpergröße des Radfahrers. Auf langen Rollstrecken einheitlicher Neigung ohne große Kurswechsel spielt das 29er auf jedem Belag seine Vorteile aus. Je verwinkelter der Kurs, je mehr Schiebe- oder gar Tragepassagen, desto besser macht sich das 27,5er.
Reifen, Pneus, Stollengummis
Nicht die Federgabel oder die große Untersetzung und Bandbreite der Schaltung, sondern die dicken Reifen sind die größte Errungenschaft der Mountainbikes. Sie bilden die Kontaktstelle zum Boden und bestätigen im Idealfall das, was der Fahrer zuvor mit den Augen wahrgenommen hat. Unplattbar, schnell und mit einem ordentlichen Grip soll der Gummi über jeden Bodenbelag walken. Die Realität stellt einen Kompromiss dar. Je leichter der Reifen, je dünner die Karkasse, desto schneller sind die Pneus, desto geringer ist ihre Traktion und der Pannenschutz. Asphalt, glatter Kies, erdiger Boden, grobes Gestein, Geröll, trocken oder nass – die Palette der Bodenbeläge beim Alpencross hat viele Gesichter. Und es gibt kaum Schlimmeres, als wenn der Reifen unsteuerbar über die Hindernisse rutscht, die Kraft nicht auf den Boden überträgt oder ständig platt ist. Deshalb stehen die Pannensicherheit und Traktion im Vordergrund. Gewicht und Rollwiderstand sind zweitrangig. Semislicks haben im Hochgebirge keine Berechtigung. Den besten Kompromiss erzielten Schlauchlos-Reifen (UST) der Größen 2,20 bis 2,40 Zoll auf speziellen Schlauchlos-Felgen getunt mit ein wenig Dichtmilch. Mit einem Reifensatz konnte man locker zehn Alpenüberquerungen absolvieren, ohne auch nur einmal zur Luftpumpe zu greifen. UST-Reifen werden immer rarer. Die Hersteller schwören nun auf >> Tubeless ready/easy <<. Nicht ein einvulkanisierter Schlauch (UST), sondern eine Dichtflüssigkeit sorgt für ein abgeschlossenes System. Vorteile: Man braucht keine speziellen Schlauchlos-Felgen mehr. Die Montage ist in der Regel einfacher. Das Gewicht und der Rollwiderstand sind erheblich niedriger. Nachteile: Die Abdichtung klappt nicht bei allen Modellen zuverlässig. Die Haltbarkeit und die Pannensicherheit sind erheblich geringer. Aber: Man kann ja immer noch einen alt bewährten Butylschlauch in den Tubeless-Reifen einziehen. Die Vorteile in puncto Gewicht und Rollwiderstand sind dann aber futsch.
Mit bis zu 4,8 Zoll breiten Stollengummis, aufgepumpt mit 0,4 Bar statt der bei herkömmlichen Bergrädern üblichen 2 bis 2,5 Bar Luftdruck, gleiten sogenannte Fatbikes samt Fahrer geschmeidig über das Gelände. Je rauer und loser der Untergrund, desto effizienter. Unebenheiten werden von den riesigen Reifenaufstandsflächen in sich aufgenommen, Steine und Wurzeln umschlossen, Schotter, Sand, Schnee und Schlamm weniger verformt. Das spart im Vergleich zum normalen Moutainbike Kraft, ermöglicht das Fahren auch noch auf holprigen und verblockten Single Trails, wo dünnere Reifen mangels Bodenschluss für keinen Vortrieb mehr sorgen. Fatbikes kommen daher besonders auf den anspruchsvollen Routen über die Alpen gelegentlich zum Einsatz. Im Vordergrund steht nicht die Geschwindigkeit, sondern Fahrspaß, Sicherheit und Komfort. Natürlich muss man die erforderliche Kraft und Kondition mitbringen, um das Mehrgewicht von mehr als fünf Kilogramm die Berge hoch treten zu.
Kleine Hilfen erleichtern das Vorwärtskommen
Bergauf: Egal ob 3x9-, 2x10- oder 1x11-Schaltungen (Anzahl Kettenblätter-vorne x Anzahl Ritzel-hinten), für viele ist der kleinste Berggang zu wenig untersetzt, um sehr steile Anstiege mit Rucksack meistern zu können. Besonders 29er-Fahrer haben hier wegen der größeren Laufräder mit den ab Werk angebotenen Schaltungen Probleme. Nach wie vor die meisten und verschleißärmsten Tuningmöglichkeiten bieten die Dreifachschaltungen. Besonders bewährt hat sich die Umrüstung auf ein 20er-Kettenblatt (Stambecco), welches Mountain Goat für diverse Vierarmkurbeln anbietet. Die Kombination mit einem 32er-Ritzel bietet eine Untersetzungsverhältnis von 0,63, mit der man auch mit Rucksack noch recht entspannt Steigungen zwischen 10 und 15 Prozent auf längere Zeit bewältigen kann. Eine Umrüstung am Ritzelpaket ist kostspieliger, weniger effektiv und zudem verschleißintensiver!

Das Stambecco (20er-Kettenblatt) von Mountain Goat

Kleine Hilfen erleichtern das Vorwärtskommen
Bergab: Bei anspruchsvollen Abfahrten muss der Schwerpunkt runter und nach hinten. Andernfalls droht ein Abgang über den Lenker. Mit einem einfachen Schnellspanner an der Stütze lässt sich der Sattel binnen Kürze und ohne Werkzeug absenken. Sogenannte Vario-Sattelstützen, bei denen man per Knopfdruck die Stütze verstellen kann, sind teuer, bieten nur einen eingeschränkten Verstellbereich und gehen bis dato im harten Einsatz ständig kaputt.
Radschuhe
Einen perfekten Schuh, der jedem passt und alles gleichermaßen gut kann, gibt es nicht. Bei Alpenüberquerungen auf Radwegen und Schotterpisten erfüllen die meisten MTB-Tourenschuhe (im Gegensatz zu den Race-Schuhen) ihre Aufgaben. Sie bieten ausreichend Schutz vor dem Wetter, übertragen mit einer steifen Platte die Kräfte auf die Pedale - ohne sich zu sehr zu verformen und ohne dass die Füße einschlafen. Eine weichere Profilsohle (am besten vom Vibram) sorgt für einen bequemen und sicheren Tritt. Die Tourentreter überstehen inzwischen auch längere Geheinheiten schadlos. Ohne Klickpedale ist man mit einem festen, knöchelhohen Trekkingschuh am besten bedient. Richtige Bergschuhe mit einer extrem steifen Sohle werden den möglichen Anforderungen im hochalpinen Gelände mit langen Schiebe- oder Tragepassagen gerecht. Schon ein kleines Altschneefeld kann das Erreichen eines Passes mit MTB-Schuhen zu einem gefährlichen Hasardspiel oder gar unmöglich werden lassen. Darauf spezialisiert hat sich der Schweizer Schuhmacher Orlando Rada mit seinem "Gemstritt für Biker". Er verklebt die Pedalplatte in der Sandwichsohle eines stabilen Bergschuhs und verwendet eine den Klickpedalen angepasste Vibram-Sohle. Kalte Füße – Fehlanzeige. Für Mountainbiker, die immer wieder im Hochgebirge unterwegs sind, zahlt sich diese Investition in jedem Falle aus.

Der "Gemstritt" für Mountainbiker vom Schweizer Schuhmacher Orlando Rada  

Wetterschutzbekleidung
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Bergradeln ist kein Hallensport. Eine Kaltfront kann in den Alpen auch im Sommer Temperaturstürze mit Schnee bis in die Täler herab bringen. Ein Wärmegewitter mit Hagelschauern zwingt wenig unter dem Pass zum Verharren. Der Körper wird beim Radeln zum Wärmekraftwerk. Droht Überhitzung, fängt er an zu schwitzen, verringert sich der Wirkungsgrad. Nass von der Hitze vernichtet frischer Gegenwind kaum spürbar Körperenergie, raubt Abwehrkräfte. Jeder empfindet Kälte und Wärme anders, das Schwitzverhalten der Menschen ist sehr unterschiedlich. Den Kapriolen von Mensch und Wetter begegnet man am wirkungsvollsten mit mehreren, unterschiedlichen Kleidungsschichten. Hauptvorteil: Die den persönlichen Bedürfnissen entsprechende Kleidung kann durch Entfernen oder Hinzufügen von einzelnen Schichten den Witterungsverhältnissen angepasst werden. Das sogenannte Zwiebelprinzip funktioniert aber nur, wenn die einzelnen Schichten aufeinander abgestimmt sind:

  1. Lage – Unterwäsche: Je nach Einsatz und Bedarf kann diese entfallen. Die Unterwäsche muss eng anliegen und darf keine Feuchtigkeit speichern. Baumwolle ist deshalb ein NoGo. Polyester erzielt die besten Ergebnisse.
  2. Lage – Trikot: Wie die Unterwäsche sollte auch das Trikot und die Bike-Hose nicht schlabbrig herunterhängen und Nässe aufnehmen. Coolmax-Fasern transportieren die Feuchtigkeit effektiv weiter und trocknen extrem schnell.
  3. Lage – Isolierschicht: Ein Fleece sorgt für den Wärmerückhalt. Weder wasser- noch winddicht ermöglicht es den Durchgang des Wasserdampfes. Falsche Materialen wie Baumwolle erzeugen einen Feuchtigkeitspuffer.
  4. Lage – Wetterschutz: Dank Goretex bekommt man heute komplett wasser- und winddichte Jacken mit einem ordentlichen Maß an Wasserdampfdurchgang (Atmungsaktivität). Der Oberstoff sollte robust und reißfest sein. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Schnitt, der die Bewegungsabläufe nicht beeinträchtigen darf.

Allzu häufig sieht man Mountainbiker, die fast einen Hitzestau bekommen, weil sie alle Lagen übereinander tragen. Das ist nicht der Sinn des Zwiebelprinzips.

Rucksack
Acht Kilogramm sind für Alpencrosser (ohne den Servive eines Gepäcktransports) das Maß der Dinge. Mehr muss nicht mit. Mehrgewicht beeinträchtigt den Spaß bergauf wie die Sicherheit bergab erheblich. Der Rucksack soll den Bewegungen des Oberkörpers folgen – im Idealfall wie eine Warze, die man nicht spürt. Das Wichtigste ist deshalb das Tragesystem. Es sorgt für die Einheit. Gewicht, Belüftung des Rückens und Aufteilung des Beutels sind zweitrangiger Schnickschnack, ob mit oder ohne Trinksystem Geschmackssache. Ein Fassungsvolumen von 25 bis 30 Liter hat sich bewährt. Da passt alles rein. Hinweis: Im harten Bergeinsatz sollte außer den Trinkflaschen nichts am Rad transportiert werden. Zusätzlicher Ballast beeinträchtigt die Fahreigenschaften des Stollengauls erheblich, macht das Gefährt beim Schieben und Tragen unhandlich. Auch Ersatzschlauch und Werkzeug gehören in den Rucksack. Dort ist es den mechanischen Einflüssen weniger ausgesetzt. Unbedingt testen, ob der Rucksack vollgepackt während der Fahrt bergab, bergauf und im Wiegetritt nicht gegen den Helm drückt und die Regenhülle nicht vergessen!

Auf dem An Teallach-Trail - "stepping stones on the wilderness" (Schottland - Highlands Loop)